Herstellung von Grundseife

Kesselprozess

Kesselprozess
Kesselprozess

Das klassische Verfahren zur Herstellung von Toiletteseife im Siedekessel erfordert einen Zeitraum von ca. 5 Tagen und damit ein Siedekesselvolumen für eine Wochenproduktion. Das entspricht bei z. B. 8 t getrockneter Seife/Tag einem Kesselvolumen von ca. 120 m3.

Um einen gleichmäßigen Arbeits- und Produktanfall zu haben, wird dieses Volumen in 3 bis 6 Kessel aufgeteilt.
Der Zeitbedarf für die Verseifung beträgt ca. 1 Tag, für die Glyzerinwäsche mit Trennen der Unterlauge (Waschlösung) 1 bis 2 Tage, für das Schleifen ca. 0,5 Tage und das anschließende Trennen von Kern und Leim 1,5 bis 2 Tage. Zum Sieden der Seife und zum Mischen der Phasen wird eine Dampfmenge von ca. 800 kg/t Seife benötigt.
Aus 1 kg Fett entsteht ca. 1,6 kg Grundseife mit 60 - 63 % Fettsäuregehalt.
1 to Grundseife » 0,89 to Haushaltsseife (70 % FS) bzw. 0,8 to Toiletteseife (78 % FS)

Kontinuierliche Verseifung

Gegenüber dem Kesselprozess hat das kontinuierliche Verseifungsverfahren folgende Vorteile:

  • Prozessdauer von wenigen Stunden
  • Geringerer Raumbedarf (ca. 20 % einer Kesselsiederei)
  • Geringerer Energieverbrauch (100 - 150 kg Dampf/t Seife)
  • Hohe Glyzerinkonzentration in der entnommenen Unterlauge (15 - 20 %)
  • Kontinuierliche Rückführung der Unterlauge
  • Geringe Rohstoffverluste (z.B. infolge kleiner Unterlaugenmenge)
  • Kein geschulter Siedemeister notwendig

Richtwerte für die Herstellung von 1t Grundseife mit 62% TFM*

Rohstoffbedarf (kg/t Grundseife)
Fett 660
NaOH (36 %) 240 - 330
NaCl (21 %) 110 - 190
Wasser 500 - 850

 

Fettmischung (Gew. %)
Rindertalg 70 - 85 50 70
gebleichtes
Palmöl
35 75
Kokosöl/
Palmkernöl
30 - 15 15 15 15
Erdnussöl 15 10

 

Energiebedarf (pro t Grundseife)
Dampf
kg/h
Kühlwasser
m³/h
Strom
kWh
Kessel-
verseifung
800 - 1000 2 - 3
Konti-
Verseifung
100 - 150 2 - 4 35 - 45
Fettsäure-
Neutralisation
80 - 110 12 - 18
Halbwarme
Verseifung
30 - 40 30 - 40

* TFM = Gesamtfettsäuregehalt

Die für den Prozess benötigten Komponenten Fett, Natronlauge, Salzlösung, Wasser und Unterlauge werden durch Dosierpumpen oder Pumpen mit Durchflussregelung eingespeist.

Die Verseifung erfolgt kontinuierlich in einem Reaktor in bereits verseifter Masse, die über eine Schleife in ständigem Kreislauf gefördert wird.
Anschließend wird die Seife durch Zugabe von Unterlauge gekühlt.

Die Glyzerinwäsche wird in einem flüssig/flüssig-Extraktor mit Gegenstrom durchgeführt, wobei ein Teil der Waschflüssigkeit (Unterlauge) durch Kreislaufführung über die Verseifungsstufe mit Glyzerin angereichert wird.

Der Schleifvorgang erfolgt in einem Reaktor mit Kreislaufschleife durch Zuführung der Schleiflösung. Die als Gemisch austretenden Phasen Kern und Leim werden durch Absetzen oder Zentrifuge getrennt und es fällt wie bei der Kesselverseifung eine Grundseife mit 60 - 63 % Fettsäuregehalt an.

Neutralisation von Fettsäuren

Die Spaltung der Fette in Fettsäure und Glyzerin kann auch vor der Verseifung z. B. durch Hochdruckhydrolyse vorgenommen werden. Dieses Verfahren ist jedoch nur bei größeren Produktionsmengen (50 t/Tag und mehr) wirtschaftlich und wird hauptsächlich dann angewendet, wenn die Fettsäure außer für Seife auch Basis für andere Produkte ist.

Zur Neutralisation werden die gleichen Verfahren wie zur Herstellung von Seife aus Neutralfett angewendet, nur dass die Stufe Glyzerinwäsche entfällt.

Halbwarmes Verfahren

Zur Herstellung von Haushaltsseife ist neben der Vollverseifung auch ein vereinfachtes Verseifungsverfahren anwendbar, bei dem auf die Auswaschung des Glyzerins und das Schleifen der Seife verzichtet wird.

Dieses Verfahren benötigt geringere Investitionskosten, ist einfach zu bedienen und es entsteht kein Abwasser.

Die Verseifung erfolgt durch Mischen der Komponenten Fett und Natronlauge. Die auf diesem Wege hergestellte Grundseife hat einen Fettsäuregehalt von ca. 58 bis 60%.

Zur Herstellung hochwertiger Toiletteseife ist dieses Verfahren nicht geeignet.

News

ACHEMA 2012

30th World Exhibition Congress . Frankfurt am Main . 18 - 22 June 2012